Mehr als Töne - Musikpädagogik und Gesellschaft

„… ein Raum, in dem sie sich zeigen können, wie sie sind.“

„… ein Raum, in dem sie sich zeigen können, wie sie sind.“

In dieser Folge geben die vier Musikpädagogik-Studierenden Lucas Groß, Morènikè Hessou, Sebastian Hamacher und Laurin Kapitzki einen kleinen Einblick in ausgewählte Texte der US-amerikanischen Literaturwissenschaftlerin bell hooks, der US-amerikanischen Musikpädagogin Carla Becker und des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno. bell hooks und Carla Becker geht es um Chancengleichheit in der Bildung und sie arbeiten an antirassistischen Ansätzen. Beiden Wissenschaftlerinnen ist viel daran gelegen, dass ihre theoretischen Überlegungen auch in der Praxis realisiert werden. Die Studierenden sprechen an, dass bei der praktischen Umsetzung dieser Überlegungen möglicherweise innere Ängste überwunden werden müssen. Sie zeigen auch Verbindungen zwischen dem gesellschaftskritischen Denken von bell hooks und Theodor W. Adorno auf und erläutern, warum die kritischen Gedanken dieser Autor*innen für ihre zukünftige Tätigkeit als Musiklehrer*innen an allgemeinbildenden Schulen in Berlin von Relevanz sind…

„… dieses gemeinsame Musizieren hat halt wirklich gefehlt.“

In dieser Folge sprechen die vier Musikpädagogik-Studierenden Christin Strübing, Felix Theuner, Thomas Weisenhorn und Armando Strauß darüber, wie Musikunterricht in Zeiten der digitalen Lehre gelingen kann. Mit dabei sind auch Schüler*innen des Musik-Grundkurses der 10. Klasse des Max-Steenbeck-Gymnasiums in Cottbus. Sie standen den Studierenden in einem Gespräch Rede und Antwort zu ihren Erfahrungen während des Fern-Unterrichts im Frühjahr. Die Studierenden, die zum Teil schon eigene Unterrichtserfahrungen sammeln, gaben außerdem einen Einblick in die Lehre während des Corona-Lockdowns. Sie sprechen über die Möglichkeiten, welche sich mithilfe der digitalen Medien ergeben, und wie sie diese im Musikunterricht nutzen. Zwischen den einzelnen Beiträgen sind eigene Songs zu hören, die die Schüler*innen während des Corona-Lockdowns geschrieben haben…

„Ich hör‘ jeden Tag Musik…“

In dieser Folge sprechen Jugendliche des Campus Rütli in Berlin-Neukölln mit drei Musikpädagogik-Studierenden der UdK Berlin über ihren Musikunterricht und die Bedeutung von Musik in ihrem Leben allgemein. Vor dem Ausbruch des Corona-Virus hatten wir eigentlich vor, mit einem Seminar für eine ganze Unterrichtseinheit den Musikunterricht in einem Keyboard-Kurs mitzuerleben und mitzugestalten. Diese Kooperation konnte leider nicht stattfinden, aber Sabrina Philipp, Alexandra Kreutz und Emil Wölz durften die Schule während der Corona-Kontaktsperre einmal besuchen, um mit einigen Jugendlichen Interviews zu führen. In dieser Folge sind Auszüge der Interviews zu hören. Die Studierenden reflektieren in diesem Rahmen auch über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Musikunterricht und stellen eigene Ideen für das Klassenmusizieren vor …

"Rassismus in kleinen Dosen ..."

Diese Folge ist der zweite Teil unseres Gesprächs in einem Musikpädagogik-Seminar, in dem wir uns mit den Begriffen Kultursensibilität, Diskriminierung und Rassismus beschäftigt haben. Jannick erläutert, wie eine Schuldumkehrstrategie als Reaktion auf rassistische Handlungen aussehen kann und Martin definiert die Begriffe Diskriminierung, „Othering“ und Rassismus – mit all ihren Grautönen und Verbindungen miteinander. Wir sprechen auch über die kleinen und großen Fallen, in die Musiklehrer*innen unbewusst tappen können. Denn es ist nicht so einfach, sich in Formen von Diskriminierung hineinzudenken, die man selbst noch nie erlebt hat. Martin und Jannick sprechen außerdem offen darüber, welche Strategien Jugendliche anwenden, wenn sie Diskriminierung erfahren…

„Wir haben keine Patentlösung.“

Martin Lorenz und Jannick Philp waren vor Kurzem unsere Gäste in einem Musikpädagogik-Seminar, um mit uns über die Themen Kultursensibilität, Diskriminierung und Rassismus zu sprechen. Martin ist Sohn einer Deutschen und eines Tansaniers. Er wuchs in Berlin-Weißensee auf, ist ausgebildeter Ballett-Tänzer, und arbeitet heute als Stimmbildner. Jannick ist als Sohn einer Deutschen und eines Vaters aus der Republik Tschad in Kreuzberg aufgewachsen, studiert heute Biologie und Sport auf Lehramt, und arbeitet bereits als Lehrer an einer Schule mit großer kultureller Vielfalt. Aus der Sicht von Martin und Jannick stehen wir in Deutschland noch „ziemlich am Anfang“, was eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus angeht. Im Seminar haben wir über einen konstruktiven Umgang mit den Stereotypen und Vorurteilen gesprochen, die in allen von uns vorhanden sind und die unser tägliches Handeln beeinflussen. Wir haben uns dabei auch mit den Gefühlen beschäftigt, die in uns hochkommen können, wenn wir rassistische und diskriminierende Situationen miterleben …

„Ich versuche ganz stark, mich auf das einzulassen, was vorhanden ist…“

In dieser Folge erzählt der Musik- und Englischlehrer Felix Oeser im Gespräch mit der Studentin Donya Solaimani, welche Themen ihn am „berühmt-berüchtigten“ Campus Rütli in Berlin-Neukölln seit vier Jahren beschäftigen: Er spricht darüber, welche Inhalte er in seinem beruflichen Kontext als besonders wichtig erachtet, er erzählt wie er mit der Herausforderung umgeht, dass seine eigene musikalische Sozialisation eine andere ist als diejenige seiner Schüler*innen, und er erläutert, mit welcher Haltung er seinen Schüler*innen begegnet. Dabei setzt er der klischeehaften Vorstellung, dass sich Jugendliche in bestimmten Wohnbezirken nur für bestimmte Arten von Musik interessieren, seine Erfahrungen als Lehrer entgegen.

„Es ging darum, mit den Schüler*innen in Kontakt zu bleiben…“

Überall auf der Welt haben sich in den letzten Wochen die sozialen Ungleichheiten verstärkt und wurden noch viel deutlicher sichtbar als in „normaleren“ Zeiten. Im Bezirk Berlin-Neukölln waren viele Jugendliche stärker als üblich mit folgenden Fragen konfrontiert: Wie kann ich zu Hause gut lernen und meine Aufgaben erledigen, wenn ich keinen eigenen Schreibtisch und PC habe, und wenn ich in meinem Umfeld nicht die nötige Ruhe habe?
Der Musik- und Englischlehrer Felix Oeser erzählt im Gespräch mit der Berliner Studentin Donya Solaimani von seinen aktuellen Erfahrungen am Campus Rütli. Dort haben sich die Lehrer*innen abgesprochen, wie sie mit den Jugendlichen, die wochenlang nicht zur Schule gehen konnten, kommunizieren und welche Form von Feedback sie ihnen in dieser Zeit geben wollen…

"Wir haben uns das alles selbst beigebracht..."

In dieser Folge erzählt mein Vater, warum und wie er in den 60er-Jahren am Rande des Harzes mit dem Musikmachen begonnen hat. Gemeinsam mit seinen Freunden Bernd Bauer, Horst Wode und Dieter Manß hat er sich Instrumente und Grifftabellen besorgt und von technisch begabten Freunden die ersten Verstärker bauen lassen. Keiner dieser Musiker hat jemals eine Gitarrenstunde genommen, denn es gab damals keine Musikschule im Ort. Reiner „Latschen“ Bartels erzählt auch von der ersten Beatclub-Sendung, die er gemeinsam mit Freunden gebannt vor dem Fernseher verfolgte, und von den damaligen Cola-Bällen…

"Missverstehen ist das Normale..."

„Habt Ihr das verstanden?“ „Ja!“ Diese Art von Dialog kommt unzählige Male in Musikräumen vor – ganz egal, ob wir uns Dialoge anschauen, die in Schweden oder in Deutschland geführt werden. Oft ist uns dabei nicht bewusst, dass die Menschen, die uns gegenübersitzen oder stehen, vielleicht nichts verstanden haben und nur so tun, als hätten sie uns verstanden. Oder: Sie haben etwas ganz anderes verstanden als wir sagen wollten. In beiden Fällen kommunizieren Menschen zwar miteinander, doch die Gefahr, dass sie sich missverstehen, ist groß. In seinem Vortrag erklärt Olle Zandén, welche Art von Dialogführung im Musikunterricht sinnvoll ist, weil sie für ein gemeinsames Verständnis sorgt. Er benutzt hierfür das Bild von Ballwechseln beim Tischtennis …

“How much space are you able to take?“

In dieser Folge erläutert die schwedische Musikpädagogin Carina Borgström-Källén auf Englisch, wie sich Jugendliche in der Schule selbst inszenieren und welche stereotypen Eigenschaften sie bei den „popular boys“ und den „popular girls“ einer schwedischen Schule wahrgenommen hat. In ihrer Studie an der Schnittstelle von Gender Studies und Musikpädagogik konnte sie zeigen, dass einige Musikstile es Jugendlichen einfacher machen geschlechtstypische Stereotype zu durchbrechen als andere. Und sie erklärt, warum wir Jugendlichen bei der Wahl ihrer Musikkurse nicht unbedingt immer die komplette Wahlfreiheit überlassen sollten…