Mehr als Töne - Musikpädagogik und Gesellschaft

"Wir haben uns das alles selbst beigebracht..."

"Wir haben uns das alles selbst beigebracht..."

In dieser Folge erzählt mein Vater, warum und wie er in den 60er-Jahren am Rande des Harzes mit dem Musikmachen begonnen hat. Gemeinsam mit seinen Freunden Bernd Bauer, Horst Wode und Dieter Manß hat er sich Instrumente und Grifftabellen besorgt und von technisch begabten Freunden die ersten Verstärker bauen lassen. Keiner dieser Musiker hat jemals eine Gitarrenstunde genommen, denn es gab damals keine Musikschule im Ort. Reiner „Latschen“ Bartels erzählt auch von der ersten Beatclub-Sendung, die er gemeinsam mit Freunden gebannt vor dem Fernseher verfolgte, und von den damaligen Cola-Bällen…

"Missverstehen ist das Normale..."

„Habt Ihr das verstanden?“ „Ja!“ Diese Art von Dialog kommt unzählige Male in Musikräumen vor – ganz egal, ob wir uns Dialoge anschauen, die in Schweden oder in Deutschland geführt werden. Oft ist uns dabei nicht bewusst, dass die Menschen, die uns gegenübersitzen oder stehen, vielleicht nichts verstanden haben und nur so tun, als hätten sie uns verstanden. Oder: Sie haben etwas ganz anderes verstanden als wir sagen wollten. In beiden Fällen kommunizieren Menschen zwar miteinander, doch die Gefahr, dass sie sich missverstehen, ist groß. In seinem Vortrag erklärt Olle Zandén, welche Art von Dialogführung im Musikunterricht sinnvoll ist, weil sie für ein gemeinsames Verständnis sorgt. Er benutzt hierfür das Bild von Ballwechseln beim Tischtennis …

“How much space are you able to take?“

In dieser Folge erläutert die schwedische Musikpädagogin Carina Borgström-Källén auf Englisch, wie sich Jugendliche in der Schule selbst inszenieren und welche stereotypen Eigenschaften sie bei den „popular boys“ und den „popular girls“ einer schwedischen Schule wahrgenommen hat. In ihrer Studie an der Schnittstelle von Gender Studies und Musikpädagogik konnte sie zeigen, dass einige Musikstile es Jugendlichen einfacher machen geschlechtstypische Stereotype zu durchbrechen als andere. Und sie erklärt, warum wir Jugendlichen bei der Wahl ihrer Musikkurse nicht unbedingt immer die komplette Wahlfreiheit überlassen sollten…

"I want them never being afraid of anything."

Diese Folge ist auf Englisch, da es sich um ein Gespräch mit der spannenden brasilianischen Musikerin und musikalischen Leiterin Mariana Zwarg handelt. Sie hat einen besonderen Ansatz, wenn sie Gruppen anleitet: Zum Beispiel gefällt es Mariana, wenn die Gruppenmitglieder sehen, dass sie als Leiterin der Gruppe auch mal einen Fehler macht. Das gehört für sie beim Musikmachen dazu, ganz besonders beim Improvisieren. Sie spricht außerdem über die Freude am Risiko und die Entstehung von Motivation, Vertrauen und Mut, wenn sie zusammen mit anderen Musik macht und das Improvisieren übt…

"Jetzt muss ich meinen Mund aufmachen..."

Diese Folge ist ein zweiter Zusammenschnitt des spannenden Gesprächs mit der Freiburger Musiklehrerin Christine Löbbert und dem in Berlin lebenden Komponisten Mark Barden. Im zweiten Teil spricht Christine Löbbert von ihrem Berufsleben, das sich zu einem großen Teil im Musik-Keller des Bildungs- und Beratungszentrums für Hörgeschädigte in Stegen abspielt. Sie erzählt, wie sie aus ihrer individuellen Situation heraus zu einer politischen Aktivistin im Bereich der Musikpädagogik wurde und beschreibt, welche Ideale ihr Handeln als Musiklehrerin leiten. Doch sie beantwortet auch ganz praktische Fragen, z. B. wie sie das Singen mit hörgeschädigten Jugendlichen anleitet …

"Wir hören alle unterschiedlich!"

Als die Freiburger Musik- und Cellolehrerin Christine Löbbert und der US-amerikanische Komponist Mark Barden uns letzten Sommer im Seminar „Musikpädagogik und die Idee der Gerechtigkeit“ besuchten, standen sie mit ihrem Projekt noch ganz am Anfang. Nun sind es noch wenige Wochen bis zu den Konzerten des Bundesjugendorchesters mit Jugendlichen des Bildungs- und Beratungszentrums für Hörgeschädigte in Stegen. Gemeinsam werden sie in fünf Städten Beethovens 3. Sinfonie vortragen, die mit einer Aufführung des „Heiligenstädter Testaments“ verbunden wird. Gehörlose Schüler*innen werden in einer künstlerischen Form der Gebärdensprache einige Passagen aus diesem bewegenden Brief Beethovens vortragen, in dem er die soziale Isolation eines Schwerhörigen beschreibt. Mark Barden hat in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen in Stegen außerdem die Komposition „the weight of ash“ entwickelt. Im ersten Teil unseres Gesprächs ging es u. a. um die Frage, wie Gehörlose und Gehörgeschädigte Musik wahrnehmen und wie Christine Löbbert ihnen einen Umgang mit Musik ermöglicht…

„An Hochschulen und anderen Institutionen wird entschieden, welche Musiken es zu fördern gilt…“

In dieser Folge knüpfen wir noch einmal an das Seminar „Musikpädagogik und die Idee der Gerechtigkeit“ an: In diesem Rahmen haben Donya und David sich mit der Frage beschäftigt, inwiefern Pierre Bourdieus einflussreiches Werk „Die feinen Unterschiede“ (1979) auch in Bezug auf die Gestaltung unseres heutigen Musikunterrichts noch von Interesse ist. Eine Aussage des Musikpädagogik-Professors Andreas Lehmann-Wermser von der HMTM Hannover hat die Beiden dazu inspiriert, bei Bourdieu nachzulesen. Donya erläutert in dieser Folge die Kategorisierung und soziale Einordnung verschiedener Musikgeschmäcker, die der Soziologe vor über 40 Jahren vorgenommen hat und David schlägt die Brücke zum heutigen Musikunterricht und zur gesellschaftlichen Situation, mit der heutige Musiklehrer*innen konfrontiert werden…

„Ein Aufbau des Einzelnen entsteht aus der Zusammenarbeit…“

Diese Folge ist der zweite Zusammenschnitt eines Gesprächs zwischen Christoph Richter und Berliner Schulmusikstudierenden. Der emeritierte Musikpädagogikprofessor kritisiert hierin zunächst die Ziele, die nach seiner Erfahrung an vielen deutschen Musikhochschulen verfolgt werden. Wir sprechen darüber, was es bedeuten kann, junge Menschen im Musikunterricht „aufzubauen“: Wie bauen wir Wissen und Können auf – auch außerhalb von Schulen? Inwiefern können sich die Individuen einer Gruppe beim Aufbau von Wissen und Können gegenseitig unterstützen? Könnten wir einen Musikunterricht geben, der sich weniger an „abprüfbarem“ Wissen und standardisierten Kompetenzen orientiert, sondern stärker an den Menschen, die im Musikunterricht und in Musikgruppen zusammenkommen?

„Kümmern Sie sich darum, eine eigene Lehre zu erfinden.“

Diese Folge ist ein erster Zusammenschnitt eines Gesprächs zwischen Christoph Richter und Berliner Schulmusikstudierenden. Wir unterhalten uns hier in erster Linie über das Hören im Musikunterricht, über verschiedene Vorstellungen von „gutem“ Musikunterricht und darüber, was eigentlich eine „gute“ Didaktik ausmacht. Christoph Richter erzählt von seinen Berufserfahrungen als junger Mann und erklärt, was ihn am Beruf Musiklehrer*in fasziniert. Er kritisiert die Ziele, die im heutigen Musikunterricht oft angestrebt werden, ermutigt uns dazu, eine eigene, „persönliche Didaktik“ zu entwickeln und uns dafür viel Zeit zu nehmen.

„Dazu gehört, uns die Angst vor neuen Situationen zu nehmen…“

Die Berliner Studierenden Marlen Vehlhaber, Julia Drischel, Janine Dabelow, Johannes Vent, Nele Wolf und Clara Saez-Eggers vertiefen in dieser Folge ihre Überlegungen zum Konzept der Transkulturalität. Sie fokussieren sich auf die Praxis des Musikunterrichts und sprechen darüber, welche Haltung wir in Bezug auf die kulturelle Vielfalt im Musikraum einnehmen können. Sie plädieren für die Idee der Mitbestimmung im Musikunterricht und machen Vorschläge, wie Unterrichtsreihen so gestaltet werden können, dass sie das Denken in Kategorien ein wenig durchbrechen.